Suchmaschinenmarketing im Tourismus
Werbung mit fremden Marken nimmt zu
21.03.2011 11:38 tga
In der Tourismusbranche hat sich seit Jahresbeginn die Zahl der Werbetreibenden verdoppelt, die in Suchwortanzeigen mit fremden Markennamen auf ihre eigenen Angebote aufmerksam machen wollen. Für die Originale stellt dieses Vorgehen ein ernstes Problem dar.
Im Februar buchten doppelt so viele Unternehmen wie zum Jahreswechsel bei Google, Yahoo und bing Markennamen und geschützte Begriffe anderer Anbieter. Dadurch wird ihre Anzeige ausgeliefert, sobald ein Interessent den fremden Markenbegriff in das Suchfeld eingibt. Dazu kommt, dass die rechtmäßigen Besitzer der Marke durch die gestiegene Konkurrenz höhere Preise zahlen müssen, um ihre Position in den bezahlten Suchergebnissen zu halten.
Im vergangenen Monat gab es im Bereich Reise und Urlaub durchschnittlich 84 Fremdwerbetreibende, die fremde Markenbegriffe nutzen. Zum Vergleich: In den Branchen Versicherungen, IT und Banken waren es weniger 30, im Modesegment sogar unter 20 Firmen.Zu diesem Ergebnis kommt Xamine in seinem aktuellen Marktreport.
Besonders betroffen vom großen Zuwachs an Fremdwerbetreibenden sind im Vergleich zum Januar die Anbieter reisen.de (plus 157 Prozent), hotels.com (plus 135 Prozent) und fluege.de (plus 85 Prozent). "Dieser markante Anstieg zeigt deutlich, dass gerade die Urlaubssaison 2011 vorbereitet wird. Einige Marktteilnehmer versuchen dabei, Traffic und Umsätze von bekannteren Webmarken abzugreifen", analysiert Peter Herold, Geschäftsführer von Xamine. Betroffene Unternehmen sollten schnell reagieren und die Suchmaschinenbetreiber kontaktieren.
Die drei reichweitenstärksten Urlaubsanbieter in der Suchmaschinenwerbung sind im Februar 2011 booking.com vor opodo.de und hrs.de. Im Bereich der Suchwort-Anzeigenschaltung entfallen im Dreimonats-Durchschnitt auf die Top-Ten-Werbetreibenden der Branche "Reise und Urlaub" 51 Prozent der relativen Reichweite innerhalb der beobachteten Top 100 im Betrachtungszeitraum. Dies bedeutet im Vergleich zum vorherigen Vergleichszeitraum ein Anstieg von 8,5 Prozent.
Mit 31 Millionen hat mehr als ein Drittel der Bundesbürger bereits Reisen im Web gebucht. Besonders beliebt sind Flüge und Übernachtungen, eine repräsentative Studie des Branchenverbands Bitkom im Januar 2011. Die Reisebranche rechnet damit, dass die Deutschen ihren Urlaub zunehmend im Internet buchen. Einer Umfrage des Travel Industry Clubs zufolge gehen 96 Prozent der Entscheider im Tourismus davon aus, dass der Onlinevertrieb weiter wachsen wird, 93 Prozent rechnen mit steigendem Vertrieb via Smartphones. Facebook bezeichneten 74 Prozent als fürs Marketing unverzichtbar.
Auch die Couponinganbieter haben die Reisebranche für sich entdeckt: Die Konkurrenten DailyDeal und Groupon kündigten beide in den vergangenen Tagen an, verstärkt Gutscheine für touristische Angebote zu verkaufen.
Jenny Schmitt am 24.03.2011
@Gabler & Herold
Also das Formular ist schon ein guter Ansatz, diese werde ich auch gleich einmal ausfüllen. Danke.
Wobei das von Herold genannte Problem mit dem Leerzeichen, für uns wirklich ein Problem darstellen könnte.
Peter Herold, Geschäftsführer Xamine GmbH am 23.03.2011
@Schmitt, @Tanja
Ja, mit einer Markenbeschwerde bei Google lässt sich die
Verwendung von Markenbegriffen in Anzeigentexten großteils unterbinden. Großteils deswegen, weil schon ein Leerzeichen an der richtigen Stelle genügt,um diesen "Schutz" auszuhebeln. An einer eigenen Überwachung kommt in Zukunft keiner mehr vorbei.
Peter Herold, Geschäftsführer Xamine GmbH am 23.03.2011
@Schmidt
Wenn man die Suchmaschine kontaktiert, bleibt nur der von @Tanja beschriebene Weg. Eine anwaltliche "Drohung" gegen Google hat keinen Sinn. Viel mehr hilft jedoch ein sauberes internes Eskalationsmanagement. Man muss nicht immer gleich mit der juristischen Keule kommen – da gibt es alternative Wege.
Peter Herold, Geschäftsführer Xamine GmbH am 23.03.2011
@Michael
Danke, dass Du den Hinweis auf die "Unart" so richtig stellst. Und ja, vorausgesetzt, man hat unlimited funds kann man seine Konkurrenten ausbluten lassen. Das zeigt sich gerade in der Versicherungsbranche, wo alle Anbieter die Wettbewerber mit einbuchen, und damit den CPC in der Branche künstlich hoch halten – spannende Strategie, von der nur einer profitiert: Google ;)
Tanja Gabler am 23.03.2011
@Schmitt
Google verweist auf eine Webseite, auf der Unternehmen bei einer Verwendung der eigenen Marke durch Dritte eine Markenbeschwerde einreichen können. Damit lässt sich verhindern, dass die eigene Marke in fremden Anzeigentexten verwendet wird: https://services.google.com/inquiry/aw_tmcomplaint?hl=de
Michael Kohlfürst am 21.03.2011
Konkurrenten ausbluten lassen
Das ist die schönste Methode um den Konkurrenten finanziell bluten zu lassen. Aufgrund des Quality Scores muss die eigene Seite immer jene sein die mit der eigenen Marke die günstigsten ANzeigen schalten kann. Der Konkurrent hingegen blutet sich mit jedem teuren Klick und sehr schlechter Konversion aus und das schwächt sein Budget in den anderen relevanten Bereichen. Dennoch ist es eine Unart den Namen des Konkurrenten zu schalten - egal ob marke oder nicht.
Schmitt am 21.03.2011
Suchmaschinenbetreiber kontaktieren
Sie schreiben: Betroffene Unternehmen sollten schnell reagieren und die Suchmaschinenbetreiber kontaktieren. Soll dieser Kontakt der Bitte dienen dies zu unterlassen oder soll rechantwaltlich gedroht werden, was wohl keinen Sinn hätte. Welche erfolgsversprechenden Methoden gibt es?