E-Commerce mit Lebensmitteln
Potenzial nicht überschätzen
09.07.2010 14:49 tga
Vor zu viel Euphorie in Bezug auf den Internethandel mit Lebensmitteln warnt AFC Management Consulting in Bonn. Durch den Einstieg von Amazon und die Pläne des Otto-Versands könnten falsche Erwartungen geweckt werden.
AFC Management Consulting AG ist auf die Strategie- und Organistionsberatung für Unternehmen der Ernährungswirtschaft spezialisiert. Das Unternehmen sieht folgende Kernprobleme beim Lebensmittelversand übers Web:
- Der Einkauf im stationären Supermarkt kann nur durch vollständige Warenkörbe inklusive Frischwaren ersetzt werden.
- Die Belieferung muss die gekühlte Frische-Logistik beinhalten und das Problem der Nicht-Erreichbarkeit von Empfängern klären.
- Die resultierenden Kosten sind weder über die Produktmarge noch über weiter zu berechnende Versandkosten zu decken.
- Kunden, die Ware anschließend am Postschalter abholen sollen oder sie in Teillieferungen erhalten, sind kaum wieder für einen Folgekauf zu motivieren.
- Wirtschaftlich ist der Aufbau eigener Logistikcenter nicht darstellbar. Die Belieferung kann also nur aus bestehenden Verkaufsstätten heraus mit Kühlboxen im regionalen Umfeld erfolgen. Der Erfolg des Geschäftsmodells des Unternehmens Tesco in Großbritannien ist nur im Zusammenhang mit den dort üblichen höheren Margen des Lebensmitteleinzelhandels zu verstehen, aus denen die lokale Belieferung subventioniert werden könne.
Sinnvoll seien Onlineangebote für Lebensmittel nur in zwei Varianten, so AFC-Vorstand Otto Strecker: Der Händler konzentriert sich auf Spezialsortimente, wie exotische Feinkost oder Spezialnahrungsmittel für Allergiker. Oder der Händler bietet die Leistung als zusätzlichen Kundendienst und Instrument der Kundenbindung an, nicht aber als Geschäftsfeld mit Gewinnerwartung. Kenntnisse über Einkaufsgewohnheiten namentlich bekannter Kunden können in diesem Fall interessante Marketing-Informationen auch für die Vermarktung anderer Produkte liefern.
Seit vergangener Woche können User über das deutschsprachige Amazon-Portal auch Lebensmittel bestellen. Dazu hat das Unternehmen mit 60 Verkaufspartnern Kooperationen geschlossen. Ende Juni hatte der Multichannel-Händler Otto bei der Präsentation seiner Jahresbilanz angekündigt, ebenfalls den Einstieg in den onlinebasierten Lebensmittelversand zu prüfen.
Carsten am 23.07.2010
Fressen online bestellen? Aber ich hab doch jetzt Hunger!
Wirklich neu und revolutionär ist der Versand von Lebensmitteln nun wirklich nicht, die Binsenweisheit mit Spezialnahrung für Diabetiker und haste nicht gesehen ist auch nix neues. Auch das Thema Frische nicht, hier sehe ich als einzige Lösung die schon seit Jahrzehnten bekannte, aber in Vergessenheit geratene Lösung: Ein Junge oder Mädel trägt für ein paar Euro Fünfzig die Waren vom Kaufhaus aus.
Irgendwo habe ich gelesen, dass Lebensmittelversand besonders für Berufstätige interessant ist. Ähm warum? Postschalter hat im besten Fall bis 18 Uhr offen, Supermarkt im besten Fall bis 24 Uhr, ok bleibt noch die Packstation wer keine langen Schlangen im Supermarkt mag naja ok.
Uiuiuiui am 09.07.2010
Echtes Insiderwissen
Schön, dass sich da wieder eine Unternehmensberatung mit ihren Kenntnissen zum Online-Lebensmittelmarkt profilieren will. Ich kann nur hoffen, dass alle Marktteilnehmer, die sich ernsthaft mit dem Thema Online-Supermarkt beschäftigen, derartige Binsenweisheiten bereits kennen und Lösungen der Probleme gründlich überlegt haben. Sonst wird's wirklich nix mit dem Joghurt aus dem Web.