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Mehr als nur eine Zeitleiste

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12.04.2012

SOCIAL MEDIA MARKETING

Mehr als nur eine Zeitleiste

Kreative Herausforderung: Durch die neue Chronik für Unternehmen rückt Branding auf Facebook stärker in den Fokus

 

Fanta sendet die Besucher spielerisch durch verschiedene Jahre in der Timeline, damit sie darin Figuren aufspüren. Werden ihre Bilder „geliked“, kommen die Figuren zurück in die Zukunft

Ende März war es so weit: Alle Unternehmensseiten auf Facebook wurden auf die Chronik – auch Timeline genannt – umgestellt. Doch diese Umstellung ist ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits bietet die Chronik mit ihrem großen Titelbild und der Zeitleiste den Unternehmen nun viel bessere Branding-Möglichkeiten. Andererseits zwingt sie die Social- Media-Verantwortlichen der Marken, sich mit ihrer Strategie im sozialen Netzwerk intensiver als bisher auseinanderzusetzen und neue Wege der Fan-Generierung auszuprobieren. Hinter den Neuerungen steckt mehr als einfach nur eine neue Anordnung der Bilder und Einträge.

Die offensichtlichste Frage bei der Umstellung einer Facebook-Page auf die Chronik ist natürlich: Wie mit der Zeitleiste umgehen? Wie viel soll von der eigenen Geschichte erzählt werden? Was soll als „Meilenstein“ bestimmt werden? Jennifer Ehrhard, Consultant bei der Agentur Virtual Identity, empfiehlt, zuerst zu überlegen, welche Aspekte der Unternehmensgeschichte für die Zielgruppe auf Facebook interessant sein könnten. Andreas Schauer, Geschäftsführer der Münchner Agentur Code64, bringt auf den Punkt, was wahrscheinlich viele Firmen beschäftigt: „Die Chronik mag für Marken funktionieren, die eine lange Historie haben. Doch bei vielen Unternehmen ist sie nicht spannend genug.“

Und was machen Firmen, die ein gespaltenes Verhältnis zur eigenen Geschichte haben? Es wird interessant sein zu sehen, wie beispielsweise deutsche Firmen in der Chronik mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 umgehen.

Vielen Pages merkt man an, dass an der Umstellung auf die Zeitleistenoptik noch gearbeitet wird. Häufig ist derzeit einfach das Gründungsdatum der Firma angelegt und dann springt der nächste Eintrag in das Jahr, in dem das Unternehmen bei Facebook einen Account eröffnet hat. Da die Umstellung auf die Timeline noch recht jung ist, werden viele Marken und Unternehmen in den kommenden Wochen und Monaten sicher noch an ihrer Darstellung basteln. Oder sie machen es wie die Marke „Old Spice“: Sie hat einfach die amüsante Geschichte vom (See-) Bären erfunden und bindet sie nun augenzwinkernd den Facebook-Nutzern auf. Auch die Fashion-Produktsuche Stylight.de geht kreativ mit ihrer Timeline um: Bilder geben einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Frauenmode von 1900 bis heute.

Coverbild für das Markenimage

Das große Titelbild über der Zeitleiste bildet den „Kopf “ der Seite und transportiert das Markenimage. Facebook empfiehlt, mit den Motiven zu experimentieren, um zu sehen, welche Bilder die Nutzer ansprechend finden. Zudem schreibt das soziale Netzwerk vor, dass folgende Elemente im Titelbild nicht erlaubt sind: Preis oder Kaufinformationen wie „40 Prozent Rabatt“, Kontaktdaten wie die Web- oder E-Mail-Adresse, Bezug auf Facebook- Aktivitäten wie „Like“ oder „Share“ sowie Handlungsaufforderungen wie „Kauf es jetzt“. Offenbar will Facebook vermeiden, dass das Titelbild zu sehr einer herkömmlichen Anzeige ähnelt – schließlich will das soziale Netzwerk mit Werbung ja Geld verdienen. Facebook weist zudem darauf hin, dass die Titelbilder nicht falsch oder irreführend sein und nicht die Rechte Dritter verletzen dürfen. Über den Link http://facebook.com/about/pages ist unter „Häufige Fragen“ ein (englischer) Produktleitfaden für die Pages erhältlich.

Das quadratische Profilbild, links unten in das Titelbild eingebettet, erscheint auch verkleinert in den Pinnwandeinträgen des Unternehmens sowie auf den Werbeanzeigen, die ein Unternehmen auf Facebook schaltet. Eine kreative Herausforderung ist, dieses Profilbild in das Titelbild zu integrieren. Fanta und die österreichische Brauerei Puntigamer haben das sehr geschickt gelöst (siehe Screens).

Das Menü mit den Links zu Applikationen und die Fan-Statistik sind nun vom linken Rand nach rechts unter das Titelbild gewandert. Vier Tabs sind sichtbar, weitere können aufgeklappt werden, bis zu zwölf sind möglich. Bis auf „Fotos“ können alle frei angeordnet werden. Baur hat zum Beispiel den Facebook-Online-Shop gleich an zweiter Stelle angesiedelt. Auch bei Otto wird der „Trend Shop“ prominent an dritter Stelle platziert.

Bessere Steuerung von Inhalten

Während manche die Limitierung auf vier sichtbare Tabs als Einschränkung empfinden, ist die Seitengestaltung der Pages insgesamt jedoch besser geworden. Einträge auf der Pinnwand können nun ein- oder zweispaltig, auch mit größeren Bildformaten gestaltet und dadurch inhaltlich gewichtet werden. Facebook weist darauf hin, dass verschiedene Typen von Einträgen wichtig sind, dass jedoch Einträge mit Bildern doppelt so viel Interaktion generieren wie andere Posts. Mit der Funktion „Oben fixieren“ bleiben wichtige Posts länger an erster Stelle auf der Pinnwand sichtbar. Dadurch treten plötzlich Positionierungsfragen stärker in den Vordergrund, beobachtet Oliver Bargfeld, Partner der Düsseldorfer Agentur Active Value. Er berichtet, dass seine Kunden die gezielten Steuerungsmöglichkeiten von redaktionellen Inhalten und die größeren Präsentationsflächen gut finden. „Auch das neue Admin Panel, das auf einen Blick zeigt, was gerade auf der Seite passiert, ist positiv“, erklärt Bargfeld.

Der Administrationsbereich zeigt die Benachrichtigungen und die Nachrichten sowie statistische Angaben. Neu ist, dass Facebook-Unternehmensseiten nun auch nichtöffentliche Nachrichten von Nutzern erhalten können. Diese Funktion ist optional. Ehrhard von Virtual Identity empfiehlt, diesen zusätzlichen Kanal zu deaktivieren, wenn es nicht möglich ist, kontinuierlich ein Auge darauf zu werfen.

Verstärkt im Blick behalten müssen die Social-Media-Verantwortlichen auch die Entwicklung ihrer Fan-Zahl. Mit der Einführung der Chronik für Unternehmen ist nämlich eine Möglichkeit der vergleichsweise einfachen Fan-Generierung entfallen. Bislang hatten viele Pages eine Willkommensseite, „Fangate“ genannt, vor die eigentlichen Facebook-Inhalte gestellt. Ihre Aufgabe war, Besucher in Fans umzuwandeln nach dem Motto „Werde Fan und erfahre mehr“. Erste Analysen deuten darauf hin, dass sich die fehlende Willkommensseite bei der Fan-Generierung bemerkbar macht und Besucher nicht mehr so gut in Fans umgewandelt werden (lesen Sie dazu den Kommentar von Oliver Bargfeld auf Internetworld.de (http://bit.ly/Iew 9fQ ). „Der Fan-Zuwachs ist jetzt vielleicht ehrlicher und nachhaltiger, denn die, die jetzt Fans werden, tun dies nicht einfach nur wegen eines Gewinnspiels“, so das Resümee von Oliver Bargfeld.

Jetzt landen Besucher direkt auf der Timeline. Alle Inhalte und der Grad der Aktivität auf einer Page sind sofort sichtbar. Das erhöht sicherlich den Druck auf Social-Media-Verantwortliche und Agenturen: Es ist nicht mehr so leicht zu kaschieren, wenn sich wenig tut. Und sie müssen sich stärker anstrengen, um Besucher in Fans umzuwandeln. is


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