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PAYMENT
Digitales Kleinvieh
Für wachsende Umsätze mit digitalen Gütern und Pay-per-Use-Artikeln werden neue Zahlungsformen gebraucht
Die „New York Times“ hat es vorgemacht: Im März hat die US-Zeitung ihren Internet-Auftritt mit einer Bezahlschranke versehen; nur 20 Artikel konnten Online-Leser kostenfrei lesen, danach wurde ihnen ein Abo-Vertrag angeboten. Die Online-Welt wartete gespannt auf den Ausgang dieses Paid-Content-Experiments – und wider viele Unkenrufe war es erfolgreich: Seit März hat die „New York Times“ über 40.000 zahlende Online-Leser hinzugewonnen. Das Beispiel machte Mut, auch in Deutschland – und so experimentieren auch hierzulande Axel Springer, FTD, Stiftung Warentest und Co. Dabei hat sich schon oft herausgestellt, dass viele Versuche nicht unbedingt an der Zahlungsunwilligkeit der Nutzer scheitern, sondern ganz schnöde an der Backend-Struktur. Denn mag das Pricing-Modell auch noch so ausgefeilt und fair sein: Wenn der Zahlungsprozess kompliziert ist, haben die User schon keine Lust mehr auf den eigentlich interessanten Artikel. Kreditkarte, Online-Überweisung, gar Vorauskasse – und das nur für einen Betrag von 99 Cent? Der Aufwand schreckt ab. Deutsche User wären indes durchaus bereit, öfter für guten Content zu bezahlen, meint Sharique Husain, Geschäftsführer des Micropayment-Anbieters Cashlog, der erst kürzlich in den deutschen Markt eingetreten ist: „Je einfacher und unkomplizierter die Zahlungsabwicklung, desto deutlicher ist der Anstieg im Umsatz – das ist Fakt.“ Hier könnten die Verlage vom Sektor Online Games lernen, wo Bigpoint, Zynga und Co. schon seit Jahren hohe Umsätze mit niedrigpreisigen digitalen Gütern erzielen. Die Spieleanbieter machen es ihren Zockern leicht. Sie können alle erdenklichen Zahlungsmethoden für den Einkauf von Spielwährung verwenden, auch das Handy, und der Kauf ist mit wenigen Klicks abgeschlossen, ohne dass der User die Seite verlassen muss. Auch Mobile Payment wird exzessiv genutzt – der richtige Weg, meint Husain.„Vor allem junge Leute, die eher bereit sind, sich digitale, niedrigpreisige Güter im Netz zu kaufen, haben oft keine EC- oder Kreditkarte“, so der Cashlog-Chef. „Ein Handy haben sie aber alle, und Micropayment-Services können die Bezahlung über das Handy sehr einfach und zugänglich machen.“
Neue Wege
Viele Verlage haben inzwischen begriffen, dass sie in Sachen Paid Content auch beim Bezahlprozess neue Wege gehen und einfache und sichere Micropayment-Varianten anbieten müssen. Deshalb kooperiert Stern.de jetzt mit Laterpay, einem Technologieanbieter im Payment-Bereich. Gemeinsam wollen die Unternehmen 2012 ein Bezahlsystem entwickeln, das speziell auf die Nutzung digitaler journalistischer Inhalte zugeschnitten ist. Sie wollen den User damit zwar zur Kasse bitten, ihn aber auch nicht frühzeitig verschrecken. „Wesentliches Ziel ist die Heranführung des Users an Paid Content über niedrige Einstiegsschwellen“, sagt Laterpay-Geschäftsführer Cosmin-Gabriel Ene.
Aber auch im Payment-Markt selbst bewegt sich etwas, und das nicht nur durch den Eintritt neuer Player ins Micropayment-Geschäft wie unter anderem Paypal. Nachdem das Angebot einige Jahre lang stillstand, bieten vor allem Micropayment-Spezialisten inzwischen zunehmend flexiblere Abrechnungsmethoden. So gesellt sich zur Abrechnung pro gekauftem Item sowie einer Abo-Option inzwischen bei manchen Anbietern auch eine zeitabhängige Abrechnung, bei der User eine Seite für einen gewissen Zeitraum, etwa24 Stunden oder eine Woche lang, nutzen können. Auch die Einrichtung einer Bezahlschranke wird von einigen Systemen aktiv unterstützt – die sich damit vor allem für Content-Anbieter interessanter machen. il ❚
Die Tabelle "Payment-Anbieter mit einem Spezialangebot für Micropayment (Auswahl)" finden Sie auf Seite 27 in der PDF-Datei dieser Ausgabe. Der Download-Link steht Ihnen am Beginn dieser Seite zur Verfügung.