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SERIE: GOOGLE+ (TEIL 2)
Eine Frage des Profils
Die persönlichen Profile in Google+ bieten viele Chancen, Mitarbeiter des Unternehmens zu positionieren und zu vernetzen. Und Freiberufler, können sich als Person und Unternehmen präsentieren
Die wichtigste Frage bei der Entwicklung einer Kommunikationsstrategie ist immer: „Was will ich erreichen?“ Erst dann kann man definieren, auf welchem Weg man am besten zu diesem Ziel kommt und was dabei zu beachten ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lohnt sich der Einsatz von Google+ vor allem unter diesen vier Business-Gesichtspunkten:
❚ Mitarbeiter als Kompetenzträger und Ansprechpartner positionieren und vernetzen
❚ Kompetenz von Mitarbeitern für den Imagetransfer zum gesamten Unternehmen nutzen
❚ Von Profilen der Mitarbeiter auf wichtige andere Unternehmenspräsenzen verlinken
❚ Ranking der Firmenpräsenz in Google verbessern, unter anderem durch Integration des +1 Button
Dagegen versprechen beispielsweise Aktivitäten auf Google+ hinsichtlich folgender Ziele (derzeit) wenig Erfolg:
❚ Direkt den Abverkauf steigern
❚ Gewinnspiele veranstalten
❚ Unternehmen positionieren
❚ Klassisches Marketing betreiben
Ob und inwieweit sich Google+ dahingehend verändern wird, dass auch diese Ziele hier verwirklicht werden können – bei Facebook ist dies durchaus möglich –, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass bereits heute Google+ eine ganze Reihe interessanter Einsatzzwecke bietet.
Der „Social Employee“ als Bestandteil einer starken Social-Media-Strategie
Nach Auffassung des Autors haben künftig Social Employees, also die Mitarbeiter als Sprecher im Social Web, bei der Umsetzung von Corporate-Social-Media-Strategien eine zunehmende Bedeutung. Ohne Frage ist es sinnvoll, wenn Unternehmen und Marken als solche im Social Web aktiv sind. Aber es zeigt sich deutlich, dass es in vielen Fällen mindestens ebenso viel Sinn ergibt, wenn konkret benannte Menschen für diese Unternehmen und Marken stehen. Hier bietet Google+ große Chancen.
Anders als auf Facebook stehen bei Google+ nämlich nicht private (und damit der Öffentlichkeit grundsätzlich nicht zugängliche) Beziehungen im Vordergrund, sondern das offene Netzwerk. Neben „offenen Marken-Netzwerken“ können die Mitarbeiter auch „offene persönliche Netzwerke“ aufbauen.
Das entspricht weitgehend den Strukturen im echten Leben: Auch hier gibt es „abstrakte“ Beziehungen zu Marken beziehungsweise Unternehmen, und es gibt konkrete Beziehungen zu einzelnen Mitarbeitern. Und auch wenn die Unternehmen bemüht sind, ihre Kundenbeziehungen möglichst flexibel zu gestalten, also möglichst mit Funktionen zu verbinden und nicht mit Personen, weiß man heute, dass gewohnte, feste Ansprechpersonen für den Kunden sehr wertvoll sind und die Kundenbindung erhöhen – und das sogar in der Akquisitionsphase.
Hier kann man Google+ durchaus als Ergänzung zu Xing oder Linkedin sehen, vielleicht sogar als deren Konkurrenz oder gar als Ersatz. Bei näherer Betrachtung ist Google+ Xing und Linkedin überlegen, weil die Möglichkeiten zum Dialog viel stärker ausgeprägt sind und dieser Dialog auch besser eingebettet in das „normale“ Verhalten der Google+ Nutzer ist. Einerseits bietet der Bereich „über mich“ im Google+ Profil umfassende Möglichkeiten, sich selbst darzustellen (wie im Xingoder Linkedin-Profil), andererseits bieten die „Circles“ umfassende Optionen, um Kontakte zu strukturieren. Voraussetzung für einen persönlichen Kontakt des Mitarbeiters zu Kunden ist, dass die Google+ Profile „persönlich“ sind (also auf eine Person bezogen), aber erkennbar eben nicht privat, sondern geschäftlich. Das kann zum Ausdruck gebracht werden, indem im Profilbild das Firmenlogo ergänzt wird, gegebenenfalls auch mit einer „Bauchbinde“, also einem farbigen Streifen als Hintergrund für das Logo. Zudem ist es ratsam, in der Profilbeschreibung bereits deutlich zu machen, welche Position beziehungsweise Rolle man in welchem Unternehmen hat, unter Umständen sogar, was sein „Versprechen“ ist.
Google+ als Blog-Ersatz
Der entscheidende Vorteil von Google+ gegenüber Linkedin und Xing ist, dass das Netzwerk das Potenzial zur „eierlegenden Wollmilchsau“ hat. Einen wichtigen Beitrag dazu liefert die Tatsache, dass alle Beiträge öffentlich sind, und die einzelnen Beiträge formatiert werden können. Das unterscheidet Google+ auch von Facebook. Ungünstig ist dagegen, dass es bei Google+ noch keine Vanity-URLs gibt, etwa plus.google.com/maxmustermann . Bisher stehen nur kryptische Zahlen in der Adresszeile des Browsers, es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch Echtnamen in URLs gibt.
Gleichwohl: Da alle Beiträge grundsätzlich öffentlich sind, können sie von allen Menschen gelesen werden – wie ein Beitrag in einem Blog. Und die Gestaltungsmöglichkeiten machen die Google+ Beiträge deutlich besser lesbar als beispielsweise Beiträge in Facebook. In Verbindung mit „Anhängen“, also etwa Fotos beziehungsweise Fotogalerien, Videos oder Links können die Postings auf Google+ einen Blog-Beitrag ersetzen. Die Erfahrung zeigt auch, dass Diskussionen bei Google+ deutlich leichter in Gang kommen als auf einem Blog. In einem Blog müssen sich Leser oft erst „ausweisen“ (zum Beispiel einloggen), bevor sie einen Kommentar abgeben dürfen, damit wird das Kommentieren deutlich aufwendiger. Und durch den direkten Dialog, durch Kommentare und Debatten in den Kommentaren, entstehen Beziehungen.
Google+ als große Konferenz
Google+ kann bei näherer Betrachtung als eine große virtuelle Konferenz angesehen werden, wobei virtuell den Sachverhalt nicht richtig wiedergibt. Denn diese Konferenz ist real. Und das macht Google+ zu einem idealen Ort, mit an Gleichem Interessierten und Fachleuten Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Genau wie auf einer echten Konferenz.
So lassen sich zum Beispiel durch die Suche Menschen finden, die bestimmte Interessensgebiete oder Kompetenzbereiche haben. Hier ist Google+ seinem großen Konkurrenten Facebook deutlich überlegen, weil die Suche bei Google wesentlich intelligenter ist und weiter geht. So kann man sehr leicht Menschen finden, die entweder an einem bestimmten Thema (passiv) interessiert sind oder zu einem bestimmten Thema aktiv publizieren. Diese Personen kann man dann „circlen“, also seinem Netzwerk hinzufügen und ihnen „folgen“, also zuhören, was sie sagen. Das vermittelt einerseits einen Eindruck, worüber „im Markt“ gesprochen wird, andererseits bekommt man viele Anregungen und kann viel lernen.
Die Erfahrung zeigt, dass bei Google+ viel mehr „Business-Gespräche“ stattfinden als auf Facebook, das eben doch tendenziell mehr privat ist. Auch das macht Google+ zu einer idealen Plattform für Mitarbeiter im Business-Kontext.
Durch richtigen Einsatz kann ein großer Know-how-Transfer entstehen, die Mitarbeiter werden besser und kompetenter – eine eingebaute Mitarbeiterschulung sozusagen.
Je mehr ein Nutzer in eine bestimmte Szene eintaucht, desto mehr Menschen fallen ihm dann auf, weil andere auf sie verweisen oder weil sie bei anderen zu eben diesen Interessengebieten Kommentare abgeben. Und so kann man sich – wie bei einer echten Konferenz – zu „Grüppchen dazustellen“, die diskutieren, oder sich „Vorträge“ anhören – also inhaltlich ausgearbeitete Statements (siehe oben, „Blog-Ersatz“).Und indem man sich dann an den Debatten beteiligt, wird man Teil dieser Gruppe.
Wenn man sich dann noch gegenseitig „circled“, ist der erste Schritt für den Aufbau einer Beziehung oder eines Netzwerks getan: Man ist „technisch“ miteinander vernetzt. Es liegt auf der Hand, dass dieser Prozess deutlich einfacher funktioniert als auf Facebook, einfach weil Google+ – ähnlich wie Twitter – grundsätzlich offen ist.
Google+ als Mittel zum Kompetenzund Profilaufbau
Wie in der Realität wird die eigene Reputation in diesen Netzwerken davon abhängen, wie viel man von sich preisgibt und wie kompetent man ist. Dabei spielen auch die „soziale Kompetenz“ und das Verhalten eine große Rolle: also ob man etwa im Umgang mit anderen diesen Wertschätzung entgegenbringt oder eher der Nörgler und Miesmacher ist. Wer etwas zu einem bestimmten Fachgebiet sagen und dazu noch gut mit den anderen Menschen umgehen kann, wird auf Google+ schnell ein interessantes und nachhaltiges Netzwerk an Interessierten aufbauen. Wie gesagt: Das geht grundsätzlich auch über Twitter, Facebook, Xing und Linkedin. Bei Google+ ist allerdings das Gesamtpaket – zumindest im Business-Kontext – mit Abstand am besten gelungen.
Wichtig für den Reputationsaufbau ist eine klare Positionierung sowie ein konsequentes Themenmanagement. „Klare Positionierung“ bedeutet, dass man eindeutig formuliert, wofür man steht. In den Bildern, in der Beschreibung, im Profil.
Und „Themenmanagement“ meint, dass man sich in seinen Postings auf eben dieses Thema konzentriert. So wird man für andere in der Masse erkennbar. Wenn man als Mitarbeiter einer Firma auftritt, dann wird auch ein Imagetransfer stattfinden: Die Reputation eines einzelnen Mitarbeiters wirkt sich auf das Unternehmen aus. Und auch wer selbst kein außergewöhnlicher Fachmann auf einem Gebiet ist, kann durchaus eine gute Reputation aufbauen: als guter Zuhörer, Kommentator und Fragesteller.
Es ist wie im richtigen Leben. Dort gibt es auch in jeder Gruppe ein paar Menschen, welche die Debatte bestimmen und ihre Kompetenz einbringen. Aber auch die Zuhörer können interessant sein, die sich nur hin und wieder, aber mit klugen Einwürfen, beteiligen. Allerdings lassen sich nur durch Zuhören kaum Kontakte knüpfen. Man muss schon irgendwie sichtbar sein. Wer keine eigenen Beiträge liefern kann, für den kann sich die Strategie der „Aggregation“ eignen: auf andere gute Beiträge verweisen. Das hat einen doppelten Effekt. Den Autoren der Beiträge, auf die hingewiesen wird, wird Wertschätzung zuteil und man selbst wird von anderen als gute Quelle für Hinweise zu einem Fachgebiet wahrgenommen.
Facebook oder Google+? Oder beides?
Für Menschen, die bereits andere Netzwerke nutzen, kann Google+ zu einem Dilemma führen. Wie der Autor an sich selbst feststellen muss, bloggt er weniger oder genauer: Er bloggt zunehmend nur auf Google+. Im Blog zu bloggen und auf Google+ (und Twitter und Facebook) zu verweisen, ist keine gute Lösung, da die Kommentare (das gilt auch für das Stattfinden der Debatten) dann auf vielen Plattformen abgegeben werden. Hier wird eine Möglichkeit benötigt, Google+ Kommentare in den Blog einzubinden – wie sie Facebook heute schon bietet. Ein noch größeres Problem hat der, der Google+ und Facebook nutzen möchte. Es ist einerseits zeitraubend, auf beiden Plattformen zu posten sowie zu kommentieren, andererseits können einzelne Personen, mit denen man auf beiden Plattformen vernetzt ist, Doppelpostings bekommen. Das kann nerven. Zwar gibt es heute Systeme, mit denen man automatisch Beiträge von Google+ auf Facebook veröffentlichen kann (auch auf Twitter), aber das löst nur das Problem des Aufwands, nicht das des Doppelpostings.
Für Unternehmen wird es langfristig keine andere Alternative geben, als auf beiden Plattformen präsent zu sein. Im persönlichen Umfeld könnte eine Lösung sein, Facebook für private Kontakte zu nutzen und Google+ mehr für Business-Kontakte. Bis man das aber konsequent durchhalten kann, wird wohl noch eine gewisse Zeit vergehen, denn noch gibt es viel mehr Nutzer bei Facebook.
Google+ und SEO
Ein weiterer, wichtiger Punkt für Unternehmen ist: Google+ beeinflusst das Google-Suchmaschinenranking. +1 Bewertungen und Shares fließen in den sogenannten „Social Graph“ ein, wenn der Nutzer während der Google-Suche in seinem Google+ Konto eingeloggt ist. Die Relevanz der Suchtreffer bemisst sich auch daran, ob Suchergebnisse von Kontakten in Google+ mit einem +1 bewertet oder gar geteilt worden sind. Die Google-Suche wird beziehungsweise kann durch Google+ um eine soziale Komponente/Gewichtung erweitert werden. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den einzelnen Content, sondern auch auf die Web-Reputation von Unternehmen und Personen.
Die genaue Gewichtung der einzelnen Bewertungstypen innerhalb des Google-Suchalgorithmus bleibt unklar, sicher ist aber, dass die Suchergebnisse teilweise drastisch verändert werden: Inhalte mit „Empfehlungskomponenten“ beeinflussen die Reihenfolge der Suchergebnisse deutlich. Wie stark diese Auswirkungen allerdings sind, lässt sich derzeit nicht seriös sagen. Hierfür ist der +1 Button – anders als der Like Button – noch zu wenig „gelernt“. Eine Rolle spielt da sicherlich auch der Name: Like ist deutlich intuitiver zu erfassen als +1. Hier hat Facebook die Nase vorn. Es wird aber wohl eher eine Frage der Zeit sein, bis die User das System verstehen und nutzen werden.
Fazit
Google+ ist heute für einen Großteil der Unternehmen noch kein „Muss“ – insbesondere dann nicht, wenn man in den Dimensionen des klassischen Marketings denkt. Google+ erreicht derzeit noch zu wenig Menschen – vor allem verglichen mit Facebook. Wer aber stark auf die Google-Suche angewiesen ist, sollte sich bereits heute eingehender mit Google+ beschäftigen, die Entwicklung beobachten, und auch schon erste Schritte unternehmen. Es erscheint sicher, dass der Einfluss von Google+ auf die Suche stark zunehmen wird. Wer früh anfängt, kann sich einen Wettbewerbsvorteil sichern.
Auf der anderen Seite ist Google+ für Unternehmen sinnvoll, die sich über ihre Mitarbeiter und deren Kompetenz positionieren können. Die „Fachgespräche“ bei Google+ bieten dafür sehr gute Möglichkeiten. Und der Kompetenzgewinn, den Mitarbeiter damit erreichen können, kann für manche Unternehmen sogar missionskritisch sein. Google+ könnte der Debatte, ob Mitarbeiter in Unternehmen Zugriff auf soziale Netzwerke haben sollen, eine neue Perspektive geben. Denn Facebook wird überwiegend privat genutzt, was während der Arbeitszeit in Unternehmen grundsätzlich nicht gern gesehen wird. Google+ besitzt dagegen eine deutlich stärkere Relevanz für die Business-Kommunikation. ❚