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Google+ für Marketingprofis

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13.10.2011

SERIE: GOOGLE+ (TEIL 1)

Google+ für Marketingprofis

Nach nur vier Monaten kann das neue Social Network von Google 50 Millionen Teilnehmer vermelden. Diese Serie zeigt die Potenziale und Grenzen von Google+ für den Einsatz in der Business-Kommunikation auf

Es war für alle Fachleute eine echte Überraschung, nichts war vorher durchgesickert: Am 28. Juni 2011 startete Google mit einem neuen sozialen Netzwerk: Google+. Damit haben sich quasi über Nacht die Verhältnisse im Social Web verschoben. Während Facebook bisher ohne Frage der Platzhirsch im Social Web war, an dem niemand mit Interesse an Social Media vorbeikam, betrat auf einmal ein neuer, mächtiger Gegenspieler die Arena. Und der gab richtig Gas: Ziemlich genau nach drei Monaten, am 29. September 2011, überschritt Google+ die 50-Millionen-Nutzer-Marke. Damit ist Google+ das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk aller Zeiten. Ob das allerdings auch einen nachhaltigen Erfolg sichert, steht noch nicht fest. Denn alle anderen Netzwerke sind fast „von null“ gestartet, Google dagegen hatte schon vor dem Start von Google+ rund eine Milliarde Nutzer. Alles andere als ein derartiger Schnellstart wäre damit ein Fehlstart gewesen.

Just another Social Network?

Die Meinungen, ob es sich lohnt, Google+ beizutreten, sind geteilt. Manche vertreten die Ansicht, Google+ biete keine besonderen Funktionen, die einen Wechsel von Facebook zu Google+ rechtfertigten. Aus der Perspektive eines Privatnutzers, der in Facebook bereits mit allen Freunden verbunden ist, scheint das mit Sicherheit zuzutreffen. Denn solange nicht auch alle Freunde auf Google+ sind, würde man dort ein ziemlich einsames Leben führen. Auch im Unternehmenseinsatz spielt Google+ noch so gut wie keine Rolle. Grund hierfür ist einerseits, dass Google bisher keine Unternehmens-Pages zulässt, sondern nur Profile von Privatleuten. Google unterbindet derzeit sogar jeden Versuch rigoros, die persönlichen Profile für Unternehmen zu missbrauchen. Andererseits warten die Unternehmen selbst auch ab, wie sich Google+ entwickelt, bevor sie investieren. Denn auch wenn sich Google+ rühmen darf, das Unternehmen zu sein, das den schnellsten Netzwerkstart hingelegt hat, die Reichweite bleibt noch deutlich hinter der von Facebook mit rund 750 Millionen Nutzern zurück.

Google+: Das neue Facebook?

Ist Google+ wirklich eine Alternative zu Facebook oder ist es nur ein Derivat von diesem? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als treffe Letzteres zu, bei genauerem Hinsehen ist dem jedoch nicht so. Denn ein ganz großer und entscheidender Unterschied zwischen Google+ und Facebook ist die Offenheit. Facebook ist vom Prinzip her ein proprietäres, geschütztes System. Eine Art „Internet im Internet“: geschlossen, abgekapselt. Das ist auch gut so, denn Facebook will vor allem Privatleute miteinander vernetzen. Die Betonung liegt auf privat, also nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. So dürfte auch der allergrößte Teil der 750 Millionen Nutzer von Facebook das Netzwerk für private Zwecke nutzen. Die Google+ Profile sind demgegenüber grundsätzlich offen, mehr noch, sie sind inzwischen stark mit den Suchergebnissen in der Google-Suche verknüpft. Das Wichtigste ist aber: Anders als bei Facebook – eher ähnlich wie bei Twitter – kann man diesen öffentlichen Profilen einfach folgen, ohne dass der andere das bestätigen muss.

Google+ als Business-Netzwerk?

Dieses Prinzip lässt den besonderen Zweck von Google+ erkennen: Das Ziel ist, sich öffentlich darzustellen, sich mit anderen – vielleicht sogar bisher Unbekannten – vernetzen zu können, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Und eines zeigt sich nach drei Monaten intensiver Nutzung durch den Autor deutlich: Auf Google+ entspinnen sich die intensiveren „Business-Diskussionen“ als auf Facebook. Und so bietet Google+ vor allem Profis und engagierten Amateuren für ihr geschäftliches Umfeld beziehungsweise für das Umfeld rund um ihr Hobby sehr gute Möglichkeiten, sich mit anderen Fachleuten oder interessanten Menschen zu vernetzen und auszutauschen. Dazu kommt, dass Google+ über ein spezielles System verfügt, das es ermöglicht, den Kontakt zu vielen unterschiedlichen Personen herzustellen und einfach zu organisieren: die Circles (siehe Kasten auf Seite 10).

Ein aussagekräftiges Profil

Der Zugang zu Google+ ist einfach. Wir haben die notwendigen Schritte kurz (im Kasten oben) dargestellt. Da sich Google+ besonders für das Vernetzen mit neuen Menschen eignet, empfiehlt es sich bei Google+ dringend, das eigene Profil gewissenhaft auszufüllen, und zwar bevor man sich mit anderen vernetzt. Denn wie bei Twitter ist es von hohem Wert, dass nicht nur Sie die Updates der anderen verfolgen können, sondern diese auch Ihre lesen können. Das funktioniert aber nur, wenn die anderen Menschen Sie auch zu ihren Circles hinzufügen. Dazu muss man aber erkennen können, wer Sie sind. Je aussagekräftiger Sie sich vorstellen, und je klarer Sie sich positionieren („Apple-Liebhaber, SEO-Experte“), desto leichter können die anderen auch darüber entscheiden, ob sie Interesse an Ihnen haben.

Die Suche als Ausgangspunkt

Für die ersten Schritte empfehlen wir die Google+ Suche. Sie ist ein großartiges Feature. Sie können dort x-beliebige Suchbegriffe eingeben, entweder Ihre Interessen („Drupal-Programmierung“, „Pferdezucht“, „Strategieberatung“) oder Namen von Bekannten. Über einen Reiter unter der Suche können Sie dann die Suchergebnisse nach „Personen“, „Google+ Beiträge“ oder „Sparks“ (Erklärung siehe Kasten links) sortieren. Auf diese Weise finden Sie einerseits die Menschen, die über Ihre Themen diskutieren – und können sie zu Ihren Kreisen hinzufügen –, oder Sie finden die konkreten Personen, die Sie suchen. Das macht den Aufbau von Interessen-Netzwerken sehr einfach.

Eintauchen in die Google-Welt

Es lohnt sich, ein Google-Mail-Konto zu erstellen und mit dem Google+ Konto zu verknüpfen. Sie bekommen dadurch den kostenlosen Zugriff auf Google-Produkte wie iGoogle, Picasa-Webalben und Google Groups und Sie können damit auch Google Adwords und Google Checkout verwenden. Der große Vorteil von Google+ ist, dass Sie die meisten dieser Google-Dienste in Google+ integrieren können. ❚

Mirko Lange


Weitere Bilder


So melden Sie sich bei Google+ an:

❚ Gehen Sie auf https://plus.google.com  und klicken Sie auf „Anmelden“.

❚ Im nächsten Schritt klicken Sie oben rechts auf „Konto erstellen“.

❚ Sie müssen dann Ihre E-Mail-Adresse sowie ein Passwort eingeben, außerdem möchte Google Ihr Geburtsdatum wissen. Nach Eingabe der Sicherheitsabfrage klicken Sie dann auf „Akzeptieren und Konto erstellen“.

❚ Innerhalb weniger Augenblicke kommt eine Registrierungs-Mail von Google, die Sie bestätigen müssen.

❚ Dann braucht Google von Ihnen noch einen Bestätigungscode, den Sie sich per SMS schicken lassen können. Alternativ ruft Sie Google an, um Ihnen den Code telefonisch mitzuteilen.

❚ Abschließend geben Sie Ihren Namen und Ihr Geschlecht ein. Wichtig: Der Name muss Ihr Echtname sein, mit dem Sie auch den „realen“ Alltag bestreiten.

❚ Im nächsten Schritt können Sie ein Profilfoto hochladen und weitere Informationen über sich eingeben.

❚ Und schließlich macht Ihnen Google+ Vorschläge, welchen interessanten Menschen Sie „zu Ihren Kreisen“ hinzufügen können. Aber Achtung! Bevor Sie das tun, sollten Sie Ihr Profil gut ausfüllen, sonst wecken Sie kein Interesse.


Der Autor: Mirko Lange

Der Social-Media-Experte ist Gründer und Geschäftsführer der PR-Agentur Talkabout Communications in München. Lange berät Unternehmen in strategischen Kommunikationsfragen.

www.talkabout.de


Neue Terminologie: Google+ besteht aus mehreren Komponenten

Die wichtigsten Elemente von Google+

Circles: Gruppen, mit denen die Kontakte bei Google+ organisiert werden können. Sie ähneln den Gruppen, die seit dem neuesten Update bei Facebook verfügbar sind, allerdings sind sie sehr viel leichter zu bedienen. Per Drag & Drop können die Kontakte in Google+ in Circles eingeordnet werden, beispielsweise in „Freunde“ oder „Arbeitskollegen“. So können gezielt entweder nur die Nachrichten aus einem bestimmten Circle im Stream (siehe unten) dargestellt oder Nachrichten nur an einen bestimmten Circle gesendet werden.

Stream: Ähnelt den aus Facebook bekannten „Neuigkeiten“ oder dem „News-Feed“. Im Stream von Google+ können Status / Beiträge, Links, Videos, Fotos und Standort geteilt werden. Streams in Google+ sind entweder individuell oder nutzerspezifisch: Inhalte eines Streams ergeben sich aus den aggregierten Beiträgen anderer Nutzer, welche sich in den Circles des Users befinden. Entsprechend hat jeder User statt einer Pinnwand einen persönlichen Stream, der unter seiner Profilansicht und, je nachdem ob öffentlich oder eingeschränkt geteilt, für Dritte entsprechend einsehbar ist.

Hangouts: Eine Art Videokonferenz-Funktion für bis zu zehn Teilnehmer. Im Gegensatz zu Facebooks „Video Calling“-Funktion können hier gleich mehrere Personen miteinander reden und dabei sogar gemeinsame Funktionen nutzen: zusammen Videos anschauen (Youtube), Skizzen erstellen (Sketchpad), Dokumente erarbeiten (Google Docs) und den eigenen Bildschirm für andere freigeben. Hangouts können auch öffentlich abgehalten werden, Google+ lässt eine unbegrenzte Anzahl von Zuschauern zu. Mit der neuesten Android-App sind auch mobile Hangouts möglich.

Sparks: Eine Art RSS-Feed. Google+ aggregiert Inhalte wie Texte, Bilder und Videos aus dem Internet und bereitet sie innerhalb einzelner Sparks thematisch auf (etwa ein Spark „Bilanzierung“). Sparks können gespeichert werden, was letztlich das Informationsmanagement des Users unterstützen soll.

Nicht in Kreisen: Inhalte in Google+ werden entweder öffentlich oder mit bestimmten Personengruppen („Circles“) oder Einzelpersonen geteilt. Unter dem Menüpunkt „nicht in Kreisen“ kann man alle Postings sehen, die jemand postet, der Sie in seinen Kreis aufgenommen hat, aber in keinem Kreis von Ihnen ist.

Benachrichtigungen: Ähnlich wie in Facebook wird der Nutzer durch Benachrichtigungen über Neuigkeiten in seinem Netzwerk auf dem Laufenden gehalten. Hierfür besitzt Google+ neben einer E-Mail-Benachrichtigung einen „Benachrichtigungs-Button“, der bei Neuigkeiten rot aufleuchtet und in einem kleinen Kontextmenü die verschiedenen Aktualisierungen thematisch komfortabel zusammenfasst. Wenn man im Google Account eingeloggt ist, findet man den Benachrichtigungs-Button in allen wichtigen Google-Anwendungen: Google Mail, Google Kalender, Google Docs etc.

Profil: Neben dem begleitenden Profilbild (wahlweise können hier auch mehrere Bilder hinterlegt werden) werden in den Reitern „Beiträge“ (persönlicher Stream mit allen in Google+ geteilten Inhalten), „Über mich“, „Fotos“, „Videos“ und „+1“ (eine Auflistung sämtlicher im Internet über den +1-Button bewerteten Inhalte) alle wichtigen Informationen zusammengetragen. Zudem können im Profil alle weiteren Social-Media-Kanäle (Facebook, Twitter, Xing etc.) verlinkt werden.

Google+ App: Mit ihr kann von unterwegs auf alle wichtigen Funktionen (Benachrichtigungen, Streams, Circles / Kontakte, Fotos etc.) zugegriffen und der eigene Status (Text, Foto) sowie die Position (Location) aktualisiert werden.

Huddle: Ein textbasierter Instant Messaging Chat, der bislang nur mobil verfügbar ist. Huddle eignet sich dazu, Verabredungen mit Freunden und Geschäftspartnern zu treffen.

Instant Upload: Die Google+ App erlaubt es Nutzern, alle Bilder, die sie mit ihrem Smartphone aufnehmen, automatisch in ihren Google+ Account hochzuladen.


Google+ im professionellen Einsatz

In einer dreiteiligen Serie verrät INTERNET WORLD Business, wie Internet Professionals Google+ für ihre Zwecke erfolgreich einsetzen können – und welche Fehler sie unbedingt vermeiden sollten.

Grundlagen: Wie arbeitet Google+? Wie wird ein eigener Account aufgesetzt, wie werden Kontakte organisiert? Welche Unterschiede bestehen zu anderen sozialen Kanälen wie Twitter und Facebook?

Ausgabe 21/2011

Strategie: Wie kann Google+ im Konzert mit anderen sozialen Plattformen und Kommunikations-Tools in einer Social-Media-Strategie eingesetzt werden?

Ausgabe 22/2011

Unternehmensseiten: Derzeit sind Firmenpräsenzen auf Google+ noch nicht gestattet, dies wird sich aber in naher Zukunft ändern. Wir bereiten Sie darauf vor, welche Schritte Sie dann unternehmen sollten.

Ausgabe 23/2011

Alle Teile der Serie und Quellenangaben zu weiterführenden Materialien finden Sie unter dem Webcode 1121010.



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