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SERIE: GOOGLE+ (TEIL 1)
Google+ für Marketingprofis
Nach nur vier Monaten kann das neue Social Network von Google 50 Millionen Teilnehmer vermelden. Diese Serie zeigt die Potenziale und Grenzen von Google+ für den Einsatz in der Business-Kommunikation auf
Es war für alle Fachleute eine echte Überraschung, nichts war vorher durchgesickert: Am 28. Juni 2011 startete Google mit einem neuen sozialen Netzwerk: Google+. Damit haben sich quasi über Nacht die Verhältnisse im Social Web verschoben. Während Facebook bisher ohne Frage der Platzhirsch im Social Web war, an dem niemand mit Interesse an Social Media vorbeikam, betrat auf einmal ein neuer, mächtiger Gegenspieler die Arena. Und der gab richtig Gas: Ziemlich genau nach drei Monaten, am 29. September 2011, überschritt Google+ die 50-Millionen-Nutzer-Marke. Damit ist Google+ das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk aller Zeiten. Ob das allerdings auch einen nachhaltigen Erfolg sichert, steht noch nicht fest. Denn alle anderen Netzwerke sind fast „von null“ gestartet, Google dagegen hatte schon vor dem Start von Google+ rund eine Milliarde Nutzer. Alles andere als ein derartiger Schnellstart wäre damit ein Fehlstart gewesen.
Just another Social Network?
Die Meinungen, ob es sich lohnt, Google+ beizutreten, sind geteilt. Manche vertreten die Ansicht, Google+ biete keine besonderen Funktionen, die einen Wechsel von Facebook zu Google+ rechtfertigten. Aus der Perspektive eines Privatnutzers, der in Facebook bereits mit allen Freunden verbunden ist, scheint das mit Sicherheit zuzutreffen. Denn solange nicht auch alle Freunde auf Google+ sind, würde man dort ein ziemlich einsames Leben führen. Auch im Unternehmenseinsatz spielt Google+ noch so gut wie keine Rolle. Grund hierfür ist einerseits, dass Google bisher keine Unternehmens-Pages zulässt, sondern nur Profile von Privatleuten. Google unterbindet derzeit sogar jeden Versuch rigoros, die persönlichen Profile für Unternehmen zu missbrauchen. Andererseits warten die Unternehmen selbst auch ab, wie sich Google+ entwickelt, bevor sie investieren. Denn auch wenn sich Google+ rühmen darf, das Unternehmen zu sein, das den schnellsten Netzwerkstart hingelegt hat, die Reichweite bleibt noch deutlich hinter der von Facebook mit rund 750 Millionen Nutzern zurück.
Google+: Das neue Facebook?
Ist Google+ wirklich eine Alternative zu Facebook oder ist es nur ein Derivat von diesem? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als treffe Letzteres zu, bei genauerem Hinsehen ist dem jedoch nicht so. Denn ein ganz großer und entscheidender Unterschied zwischen Google+ und Facebook ist die Offenheit. Facebook ist vom Prinzip her ein proprietäres, geschütztes System. Eine Art „Internet im Internet“: geschlossen, abgekapselt. Das ist auch gut so, denn Facebook will vor allem Privatleute miteinander vernetzen. Die Betonung liegt auf privat, also nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. So dürfte auch der allergrößte Teil der 750 Millionen Nutzer von Facebook das Netzwerk für private Zwecke nutzen. Die Google+ Profile sind demgegenüber grundsätzlich offen, mehr noch, sie sind inzwischen stark mit den Suchergebnissen in der Google-Suche verknüpft. Das Wichtigste ist aber: Anders als bei Facebook – eher ähnlich wie bei Twitter – kann man diesen öffentlichen Profilen einfach folgen, ohne dass der andere das bestätigen muss.
Google+ als Business-Netzwerk?
Dieses Prinzip lässt den besonderen Zweck von Google+ erkennen: Das Ziel ist, sich öffentlich darzustellen, sich mit anderen – vielleicht sogar bisher Unbekannten – vernetzen zu können, Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Und eines zeigt sich nach drei Monaten intensiver Nutzung durch den Autor deutlich: Auf Google+ entspinnen sich die intensiveren „Business-Diskussionen“ als auf Facebook. Und so bietet Google+ vor allem Profis und engagierten Amateuren für ihr geschäftliches Umfeld beziehungsweise für das Umfeld rund um ihr Hobby sehr gute Möglichkeiten, sich mit anderen Fachleuten oder interessanten Menschen zu vernetzen und auszutauschen. Dazu kommt, dass Google+ über ein spezielles System verfügt, das es ermöglicht, den Kontakt zu vielen unterschiedlichen Personen herzustellen und einfach zu organisieren: die Circles (siehe Kasten auf Seite 10).
Ein aussagekräftiges Profil
Der Zugang zu Google+ ist einfach. Wir haben die notwendigen Schritte kurz (im Kasten oben) dargestellt. Da sich Google+ besonders für das Vernetzen mit neuen Menschen eignet, empfiehlt es sich bei Google+ dringend, das eigene Profil gewissenhaft auszufüllen, und zwar bevor man sich mit anderen vernetzt. Denn wie bei Twitter ist es von hohem Wert, dass nicht nur Sie die Updates der anderen verfolgen können, sondern diese auch Ihre lesen können. Das funktioniert aber nur, wenn die anderen Menschen Sie auch zu ihren Circles hinzufügen. Dazu muss man aber erkennen können, wer Sie sind. Je aussagekräftiger Sie sich vorstellen, und je klarer Sie sich positionieren („Apple-Liebhaber, SEO-Experte“), desto leichter können die anderen auch darüber entscheiden, ob sie Interesse an Ihnen haben.
Die Suche als Ausgangspunkt
Für die ersten Schritte empfehlen wir die Google+ Suche. Sie ist ein großartiges Feature. Sie können dort x-beliebige Suchbegriffe eingeben, entweder Ihre Interessen („Drupal-Programmierung“, „Pferdezucht“, „Strategieberatung“) oder Namen von Bekannten. Über einen Reiter unter der Suche können Sie dann die Suchergebnisse nach „Personen“, „Google+ Beiträge“ oder „Sparks“ (Erklärung siehe Kasten links) sortieren. Auf diese Weise finden Sie einerseits die Menschen, die über Ihre Themen diskutieren – und können sie zu Ihren Kreisen hinzufügen –, oder Sie finden die konkreten Personen, die Sie suchen. Das macht den Aufbau von Interessen-Netzwerken sehr einfach.
Eintauchen in die Google-Welt
Es lohnt sich, ein Google-Mail-Konto zu erstellen und mit dem Google+ Konto zu verknüpfen. Sie bekommen dadurch den kostenlosen Zugriff auf Google-Produkte wie iGoogle, Picasa-Webalben und Google Groups und Sie können damit auch Google Adwords und Google Checkout verwenden. Der große Vorteil von Google+ ist, dass Sie die meisten dieser Google-Dienste in Google+ integrieren können. ❚
Mirko Lange