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VIDEO-PRODUKTION
Guter Content ist nicht teuer
Viele Internet-Händler sind der Meinung, dass Videos viel kosten müssen. Doch verkaufsfördernde Clips lassen sich – ohne einen externen Dienstleister – bereits für kleines Geld produzieren
Online-Videos kosten ein Heidengeld und viele Nerven. Dieses Vorurteil jedenfalls hält sich seit Jahren hartnäckig, da bei Produktionskosten von rund 500 Euro pro Clip die Shop-Verkäufe schon spürbar steigen müssen, damit sich solche Investitionen lohnen. Was viele Händler allerdings übersehen: Es ist nicht zwangsläufig ein externer Videodienstleister nötig, um professionelle Bewegtbilder zu produzieren. Und wenn Händler selbst Hand anlegen, purzeln die Preise für die Videoproduktion in der Regel rapide.
Tatsächlich gehört heute nicht mehr viel dazu, um Videos in Eigenregie zu produzieren. Den größten Kostenblock macht dabei die Videokamera aus. Zwar sind Einsteigermodelle bereits ab 100 Euro zu bekommen. Video-Experten zufolge sollten Händler aber lieber einen vierstelligen Betrag in die Kamera investieren, da die günstigen Einsteigermodelle oftmals keine überzeugenden Objektive bieten.
Neben einer Kamera ist noch ein Stativ nötig, damit die Kamerabilder nicht verwackeln. Hier gilt als Faustregel: Stative sollten über eine integrierte Wasserwaage verfügen, einen gedämpften Schwenkkopf haben und sich bis auf circa 1,75 Meter Höhe ausfahren lassen. Mehr als 50 Euro braucht man in der Regel nicht zu investieren. Zusätzlich ist allerdings noch ein externes Mikrofon nötig, um eine gute Tonqualität zu erreichen. Hier empfiehlt sich der Kauf eines sogenannten Lavalier-Mikrofons, das Moderatoren einfach an ihren Hemdkragen clippen können (Kosten: rund 30 Euro).
Um Videos im Anschluss an den Dreh zu schneiden, kann man zunächst kostenlose Programme wie den Windows Live Movie Maker oder iMovie (vorinstalliert auf Macs) nutzen. Diese bieten in der Regel aber nur Basis-Features, sodas zum Beispiel Einblendungen immer nur in einem Standard-Layout mit fest vorgegebener Schrift möglich sind. Gute Alternativen sind deswegen Video-Schnittprogramme wie Avid Studio (Preis: 170 Euro) oder Final Cut X (240 Euro). Fertige Videos lassen sich dann bei Online-Video-Providern wie Viddler, Vimeo oder Youtube – teils sogar kostenlos – hosten und in Shops einbinden, ohne dass dazu Programmierkenntnisse nötig sind (siehe Tabelle Seite 36). Ein weiterer Vorteil dabei: Auch der Video-Traffic wird dann über die Portalbetreiber abgewickelt.
Fotoclips: Günstige Video-Alternative
Doch so kostengünstig sich Videos inzwischen produzieren lassen: Guter Content lebt davon, dass sich Händler gerne vor die Kamera stellen und Spaß am Drehen haben. Dazu darf man nicht unterschätzen, dass die Inhouse-Produktion schnell viel Zeit in Anspruch nimmt. Erste Shops stellen daher extra Mitarbeiter ein, die sich ausschließlich um Videoproduktionen kümmern. Wenn dies das Budget sprengt und Shop-Betreiber im Tagesgeschäft selbst keine Zeit erübrigen können, sollte man sich Videos anders beschaffen: etwa über Slideshow-Dienstleister.
Inzwischen buhlen zahlreiche Slideshow-Dienstleister um die Gunst der Shop-Betreiber (siehe Tabelle Seite 36). Das Prinzip: Produktfotos eines Artikels werden in einer animierten Diashow aneinandergereiht, mit Musik unterlegt und bei Bedarf zusätzlich mit einem professionellen Sprecher vertont, der einzelne Produktmerkmale betont. Mit klassischen Bewegtbildern haben die statischen Produktfotos in Slideshows zwar wenig gemein, die Abverkäufe ankurbeln sollen sie – zumindest laut den Dienstleistern – dennoch.
Einen Versuch sind Slideshows in jedem Fall wert. Allein schon, weil die Content-Produktion im Prinzip nichts kostet. Der international aufgestellte Dienstleister Treepodia beispielsweise reichert Online Shops schon ab 99 Euro monatlich um Slideshows an. Dieses Dumping-Angebot kommt aber nur für Händler in Frage, die maximal 20.000 Besucher im Monat anlocken und Slideshows für bis zu 1.500 Produkte anbieten möchten. Wer mehr Artikel führt oder mehr Besucher hat, der muss alternative die Pakete „Professional“ (199 Euro pro Monat) oder „Enterprise“ (299 Euro) buchen. In diesen Paketpreisen ist jeweils ein Standard-Template enthalten, nach dessen Muster dann in jeder einzelnen Slideshow die Produktbilder angeordnet werden. Zur Auswahl stehen dafür etwa 40 vorgefertigte Standard-Templates. Wer für jede Diashow ein individuelles Drehbuch wünscht, kann allerdings alternative in ein sogenanntes „Premium“-Paket investieren. Eigene Templates gibt es hier ab 750 Euro, Händler zahlen für die Videoviews zudem mindestens 150 Euro im Monat.
Um Slideshows anfertigen zu lassen, müssen Händler lediglich vorhandene Artikeldaten und Fotos an die Dienstleister übermitteln. Dazu reicht in der Regel eine CSV-oder XML-Datei, die neben Artikelnummern unter anderem Produkteigenschaften und URLs zu Bildern listet. Bevor Händler allerdings vorschnell Daten versenden, sollten sie vorab die Nutzungsrechte von Produktfotos klären. Manche Hersteller haben nämlich etwas dagegen, wenn ihr Content plötzlich in Fotoclips auftaucht. Ohne Genehmigung der Rechteinhaber drohen Abmahnungen – es sei denn, Händler fertigen die Fotos selbst an.
Die fertig produzierten Slideshows werden auf den Servern der Dienstleister gehostet und – wie von Youtube gewohnt – über Code-Schnipsel auf einzelnen Produktseiten oder in Shop-Templates eingebunden. Einige Slideshow-Dienstleister wie Cliplister oder Treepodia fertigen zudem für ihre Kunden ohne Aufpreis eine sogenannte Video-Sitemap an. Diese enthält Meta-Informationen wie Titel, Beschreibung, URL und Vorschaubild zu jeder Slideshow und wird direkt an Google gesendet. Auf diese Weise steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bei passenden Suchanfragen künftig ein aufmerksamkeitsstarkes Vorschaubild einer Slideshow auf Ergebnisseiten erscheint.
Animoto: Selfmade-Slideshows
Wer will, kann Slideshows auch in Eigenregie produzieren. So bietet das US-amerikanische Unternehmen Animoto einen Service, bei dem Shop-Betreiber für eine Monatsgebühr von 39 US-Dollar beliebig viele Slideshows selbst anfertigen können. Wer den Service gleich für ein Jahr bucht, zahlt nur 249 US-Dollar. Um den Service erst einmal zu testen, kann man statt der kostenpflichtigen Pro-Variante zunächst das kostenloses Basis-Angebot von Animoto („Lite“) ausprobieren. Lite-Videos sind allerdings jeweils auf eine Spieldauer von maximal 30 Sekunden begrenzt, dazu erscheint beim Abspann immer das Logo von Animoto. Auf Dauer dürften Shop-Betreiber mit dieser Variante daher nicht glücklich werden.
Um Animoto-Slideshows anzufertigen, muss man lediglich Produktfotos hochladen und für jeden Fotoclip ein Slideshow-Template wählen. Anschließend werden die Slideshows vollautomatisch generiert und können ebenfalls über kurze Code-Schnipsel direkt in Produktseiten integriert werden. Alternativ gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, einzelne Videos per Direktexport auf weiteren Online-Portalen wie etwa Youtube zu veröffentlichen. Und das sollten Händler auf jeden Fall tun.
Denn der Youtube-Export dürfte sich schnell auszahlen. So gilt Youtube inzwischen als die zweitgrößte Suchmaschine nach Google. Und wenn Verbraucher auf dem Portal nach Produkten fahnden, sollten dort passende Videos von Händlern zu finden sein. Allerdings hat nicht nur Youtube eine hohe Marktrelevanz. Laut Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (Agof) kommt beispielsweise das zur Pro Sieben Sat 1-Gruppe gehörende Angebot Myvideo.de auf 8,04 Millionen Unique User im Monat. Auch die Konkurrenzportale Clipfish.de (2,91 Millionen Unique User) und Sevenload.de (1,09 Millionen) erreichen Monat für Monat ein Millionenpublikum.
Es ist allerdings ziemlich mühsam, einzelne Clips nacheinander auf diese Videoportale zu spielen – schließlich müssen Shop-Betreiber dann Meta-Informationen zu ihren Clips wie Titel, Beschreibung und Tags immer wieder erneut von Hand eintippen. Doch diese Arbeit erleichtert das Distributions-Tool Videocounter.com von Webeffekt erheblich. Auf der gleichnamigen Website können Händler einen Gratis-Account einrichten und Zugangsdaten von verschiedenen Videoportalen wie Youtube hinterlegen. Anschließend muss man nur einmal Titel und Beschreibung eines Videos angeben und kann Clips mit nur einem einzigen Upload gleich auf mehreren Portalen gleichzeitig veröffentlichen und so auch das Google-Ranking verbessern.
„Google berücksichtigt in seiner Ergebnisliste mehrere Dutzend Videoplattformen“, argumentiert der Dienstleister auf seiner Website. Zwar lasse sich nicht von vornherein sagen, welcher Clip von welcher Plattform bei passenden Suchanfragen in Ergebnislisten erscheint.„Wenn ein Online-Film aber auf mehreren Videoplattformen veröffentlicht wird, steigt die Aussicht auf ein gutes Google-Ranking deutlich“, verspricht Webeffekt.
Mit dem kostenlosen Basis-Account lassen sich allerdings maximal einhundert Videos pro Monat veröffentlichen, wobei der Upload eines Clips auf verschiedene Portale gleich mehrere Slots verbraucht. Clips dürfen zudem nicht größer als 100 MByte sein. Wer größere Datenmengen hochladen möchte, muss in eine Vollversion investieren (Kosten: 41,65 Euro monatlich). Diese Variante bietet zudem den Vorteil, dass sich Clips zentral über Videocounter auf allen Portalen löschen lassen. Das kann nötig sein, wenn ein Artikel ausverkauft ist und das passende Video dazu wertlos wird. Ohne Vollversion müssen sich Händler auf jedem Portal einloggen und dort die Clips von Hand löschen.
Einfacher in der Handhabung ist da schon das Content-Angebot von Snack TV. Das Online-Portal bietet aktuell rund 20.000 Videos von 70 verschiedenen Lizenzgebern, die Interessenten kostenfrei nutzen dürfen. Händler können den Content erneut über simple Code-Schnipsel in ihren Shop einbinden. Dabei lässt sich nicht nur festlegen, welche Videos aus dem Snack-TV-Pool zu sehen sind. Auch der Video-Player lässt an das individuelle Look and Feel eines Online Shops anpassen.
Interessant ist das Angebot von Snack TV vor allem für Händler, die Shops um redaktionellen Content ergänzen möchten. So lassen sich beispielsweise Ratgeber-Videos von Gartenmagazin TV oder Weintipp. net lizenzieren. Das schafft zwar kein Alleinstellungsmerkmal, vermittelt Händlern aber ein Gespür dafür, ob ihre Kunden für Videos zu begeistern sind. ❚
Stephan Meixner