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Die Macht der Orte

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04.08.2011

MOBILE MARKETING, TEIL 2

Die Macht der Orte

Mithilfe der Standortinformationen von Mobilfunk und mobilem Internet lassen sich Verbraucher gezielt ansprechen: von Händlern wie von Werbungtreibenden

Dem Nutzer das passende Angebot unterbreiten, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort: Dieser Traum ist so alt wie das Marketing selbst. Das Mobile Web könnte ihn nun wahr werden lassen. Das zumindest hoffen Markenhersteller wie Händler. Smartphones geben nicht nur die Sites, die mobile Surfer besuchen, preis, sondern auch ihren aktuellen Standort. Mit diesen Daten können Unternehmen gezielt Angebote für unterwegs – für Bummel, Reise, Freizeit – machen.

Immer mehr Firmen nutzen Geodaten für ihre mobilen Kampagnen und sprechen ihre Kundschaft mit Bannern an, die aufgrund ihres Standorts interessant sein könnten. Location Based Advertising (LBA, siehe Glossar) heißt der Sammelbegriff für das standortbezogene Werben im mobilen Netz. Es schlägt die lange vermisste Brücke zwischen Internet und dem stationären Einzelhandel. Ein beliebtes Format des LBA sind die Location Based Services (LBS), orientierungs- und andere ortsbezogene Dienste wie Rabattgutscheine, die dem Empfänger zur Werbebotschaft noch einen Mehrwert bringen.

Nützliche Dienste kommen an

Die einfachste Art, standortbezogen im mobilen Internet zu werben, ist der Eintrag bei Google Places. Erlaubt der Nutzer seine Ortung, präsentiert ihm diese App bei der Suche nach einem Friseur, einem Arzt oder einem Bäcker Suchtreffer in seiner Nähe und zeigt diese auf einer Straßenkarte an. Die Places-Profile bestehen aus den gängigen Firmeninformationen, Fotos und anderen Daten. Ganz ähnlich hilft auch die App von Gelbe Seiten bei der Orientierung vor Ort. Auch die Plattform Kaufda.de macht regionale Angebote Internet-und über eine App auch mobilen Nutzern zugänglich. Kaufda veröffentlicht die Prospekte von Filialisten – und zeigt sie in der App auf einer Straßenkarte an.

Weiter verbreitet und beliebter im Mobile Marketing sind aber per Smartphone abzurufende und einzulösende Rabattgutscheine. Sie helfen, den Umsatz zu steigern und neue Zielgruppen in Läden zu locken „Standortbezogene Informationen bilden eine Schnittstelle zwischen On- und Offline-Welt. Händler können damit Spontankäufe erzeugen und das Einkaufsverhalten bewusst lenken“, erläutert Nadine Brendel, Senior Manager Business Development bei Yoc, einem Mobile-Dienstleister aus Berlin.

Fürs mobile Marketing hat die Münchner Beratung Mücke, Sturm & Company vier Erfolg versprechende Strategien und praktische Maßnahmen ausgemacht:

Apps: Unternehmen können darin eigene LBS entwickeln und Dienste, etwa zur Orientierung, anbieten. Beispiele sind Hotel- oder Bankautomaten-Finder oder die Apps von Nahverkehrsanbietern, die auf Busstationen hinweisen und Abfahrtszeiten nennen. In Apps lassen sich außerdem mobile Gutscheine verbreiten oder aber Werbung mit Spiel- und Unterhaltungselementen kombinieren, die auf Lokalisierungsfunktionen basieren. Beispiele dafür sind die Check-in-Dienste (daz mehr in der nächsten Ausgabe 17).

❚ App-Plattformen wie Aloqa.de, Yoose.com oder Wikitude.de bündeln unterschiedlichste LBS-, aber auch Werbe-Apps und geben diese Daten ortsabhängig aus.

❚ Loyality Marketing: Für die Bindung mobiler Kunden lassen sich Marken eigene LBS und Aktionen für den Direktabsatz einfallen.

❚ Mobile Couponing: Wird über In-Apps und Plattformen wie Coupies.de, Gettings. de, Mymobai.de, Loxideals.de oder Yoose.com verbreitet. Alternativen stellen Quick Response Codes auf Plakaten oder Push-SMS dar, die einen Code enthalten, der wie die Gutscheine einer App ebenfalls per Display im Laden einzulösen ist.

Mit Gutscheinen locken

Dass Kundenbindungsprogramme nicht nur im Alleingang, sondern auch vernetzt funktionieren, zeigt Payback. Die Gesellschaft bietet seit einem guten Jahr eine App an, die nicht nur die Filialen ihrer Partner vor Ort zeigt, sondern den Smartphone-Besitzern auch Restaurants empfiehlt und ihnen die sofortige Reservierung ermöglicht. Dafür können sie sogar Punkte sammeln. Seit dem Start im Mai 2010 wurde sie rund 450.000 Mal heruntergeladen, alle 27 Sekunden wird über die Mini-Software in Deutschland ein mobiler Coupon eingelöst. 35 Prozent der Payback-App-User haben bisher noch keinen einzigen Papiergutschein genutzt.

Das zeigt: Mobile Couponing bringt tatsächlich neue Kunden in den Laden. „Kunden haben jetzt die Wahl, wo und wie sie ihren Payback Coupon einlösen, weil ein und derselbe Coupon gedruckt, online und mobil bereitsteht“, sagt Payback-Geschäftsführer Mathias Entenmann.

Vor allem Gutscheine und Kaufaktionen kommen im Mobile Marketing sehr gut an. Die preisbewussten deutschen Verbraucher stehen mobiler Werbung und vor allem den Rabattgutscheinen aufgeschlossen gegenüber. Das zeigen verschiedene Studien. Laut ECC Handel meinten 2010 noch knapp 50 Prozent der Konsumenten, dass man allgemein mit Handywerbung Geld sparen kann. Heute sind es bereits mehr als 60 Prozent. Am liebsten nutzen die Verbraucher Rabattcoupons, 95 Prozent der Befragten bekommen diese gerne eingeblendet. Auch die 2-für-1-Coupons, bei denen ein Produkt gratis ist, wenn zwei davon gekauft werden, oder Informationen zu Aktionen werden gerne angenommen. Gewinnspiele und unterhaltende Werbung sind der Studie zufolge im mobilen Netz weniger beliebt.

Coupons clever verbreiten

Wer Mobile Couponing einsetzen will, hat dafür mehrere Möglichkeiten: Weitverbreitet sind Apps, in denen die Gutscheine gespeichert werden und jederzeit abrufbar sind. Zudem ist darin das sogenannte Geofencing möglich. Hat der Nutzer das Ortungssystem sowie die App aktiviert und erreicht das Umfeld einer Filiale, erhält er automatisch den Coupon auf dem Display eingeblendet und kann diesen einlösen.

Allerdings: Wie alle Apps müssen auch Gutscheine für unterschiedliche Mobile-Systeme wie iOS oder Android gebaut werden. Zudem wollen die Programme bekannt gemacht werden. Dabei helfen App-Plattformen, die LBS-Services und auch -Werbung bündeln. Zudem lassen sich Gutscheine über Communitys oder über Check-in-Dienste wie Foursquare oder Friendticker verbreiten.

Aber: Für die Programmierung, die Vermarktung sowie die Pflege einer App werden oft sechsstellige Beträge fällig – eine hohe Hürde für Händler.„Viele Firmen sehen im Mobile Couponing einen unkomplizierten Heilsbringer“, gibt Heike Scholz, Beraterin aus Hamburg und Herausgeberin des Online-Magazins Mobile Zeitgeist, zu bedenken. Doch „ganz so trivial“ sei es nicht. Die hohe Kunst beim Mobile Couponing sei das Timing, idealerweise solle man einen Nutzer umwerben, wenn er noch unentschlossen ist, also nicht weiß, in welches Geschäft er gehen soll. „Wenn er bereits vor dem Laden steht, muss ich ihn nicht mehr lenken und leiten“, so Scholz, „dann kommt er höchstwahrscheinlich von allein herein.“

Natürlich haben sich bereits einige Start-ups und Dienstleister etabliert, die sich auf mobile Coupon-Kampagnen spezialisieren und dafür Apps oder andere Verbreitungstechniken entwickeln. Bekannt sind beispielsweise Coupies aus Köln, Yoose aus Berlin, Gettings aus Düsseldorf oder Loxideals aus Hamburg.

Doch neben Apps gibt es noch preisgünstigere Varianten fürs Mobile Marketing und Couponing. Über Banner und Browser-basierte mobile Landing Pages lassen sich Gutscheine oder Werbebotschaften verbreiten. Mithilfe von SMS-Shortcodes können Nutzer ebenfalls zu einem Besuch oder Kauf aktiviert oder Gutscheine unters mobile Volk gebracht werden.

Schwarz-weißes Zeichen

Auch die neuen Quick Response Codes (QRC) sind ein Bindeglied von der alten zur neuen Werbewelt. Auf Plakate, Broschüren oder in Printmedien gedruckt werden die Schwarz-Weiß-Codes von der Smartphone-Kameras eingescannt und blenden dann mithilfe von Zusatzprogrammen sekundenschnell weitere Informationen zu dem beworbenen Produkt oder auch einen Rabattgutschein ein.

Der Kontaktlinsenspezialist Bausch + Lomb hat dies ausprobiert und kombinierte in Anzeigen QR- und SMS-Shortcodes, um Frauen ein Pflegeprodukt für Linsen näherzubringen. Technisch umgesetzt wurde die Aktion von Yoc in Berlin. Leserinnen, die den schwarz-weißen Werbehinweis in Zeitschriften scannten, wurden auf eine mobile Website mit Produktinformationen weitergeleitet und bekamen hier einen Gutschein für eine kostenlose Probe. Alternativ konnten sie den Link aus dem QRC auch per SMS anfordern. Eine standortbasierte Suchfunktion zeigte den nächstgelegenen Fachhändler an, bei dem die Probe abzuholen war.

„Welcher Weg der beste für ein effizientes Mobile Couponing und Marketing ist, hat sich noch nicht herausgestellt“, sagt Yoc-Beraterin Brendel. „Es gibt sehr viele Insellösungen, der Markt ist sehr fragmentiert.“ Vor allem wenn es um den Abruf von Rabatten oder auch Aktionsgeschenken geht, sind langfristig weitreichende technische Eingriffe in die vorhandenen Systeme geboten. Registrierkassen müssen Codes und mobile Gutscheine erkennen können. „Die Integration von Kassensystemen ist eine der größten Herausforderungen und die größte technische Hürde“, so Brendel.

Die bisher meist noch nicht gelösten technischen Anforderungen sind auch der Grund, warum sich beim Mobile Marketing vor allem 2-für-1-Gutscheine oder aber Aktionsgeschenke durchgesetzt haben. Andere Gutscheine erkennen die Kassen nur selten an.

Wer beim Mobile Marketing ausschließlich auf Rabatt und Gutschein setzt, macht sicher die Bekanntschaft mit Coupon-Grabbern. Das sind Kunden, die Gutscheine en gros sammeln und einlösen: „Couponing wird oft blauäugig angegangen“, beobachtet Beraterin Scholz. „Was machen Filialisten oder Gastronomen, wenn Nutzer mit mehreren Coupons auf einmal ankommen?“ Abweisen? Nur einen einlösen? Das sind Fragen, die es zu klären gilt. Coupons sollten ein Instrument unter vielen im Mobile Marketing bleiben und nicht überstrapaziert werden. ❚

Karsten zunke/vs


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Stichworte kurz erklärt

App: Die Abkürzung steht für Application. Das sind Zusatzprogramme, die den Internet-Zugang im mobilen Netz erleichtern, Funktionen bündeln und den Weg zu einem Web-Dienst verkürzen.

Check-in-Dienste: Sind ebenfalls Apps und ermöglichen es dem Nutzer, Freunden zu zeigen, wo er sich befindet, sowie ein Lokal/ein Angebot zu bewerten. Betritt der Nutzer die Filiale eines teilnehmenden Unternehmens, kann er einchecken. So werden die anderen User der App informiert. Werbende können Check-ins mit Prämien belohnen. Beispiele: Friendticker und Foursquare.

Geofencing: Ein virtueller Zaun (Fence) um einen bestimmten Ort. Wer sich mit Smartphone und aktiver Anbieter-App innerhalb dieser Grenze bewegt, wird automatisch mit regionaler Werbung versorgt.

Landing Page: Klickt ein Nutzer Werbung im Internet an, wird er zu einer Website, der Landing Page, weitergeführt. Im Mobile Marketing sollte diese auf die spezifischen Forderungen von Smartphones optimiert sein.

Location Based Services: Dienste, bei denen Informationen oder Services mit Positionsdaten verknüpft werden. Sie dienen meist der Orientierung, oft auch der Unterhaltung.

Location Based Advertising: Werbung auf dem Smartphone-Display, die dabei den aktuellen Standort des Users nutzt und ihm gezielt regionale Anzeigen einblendet.

Push-Nachrichten: Werden von einem Server zu einem Mobil-Gerät geschickt und enthalten kurze Codes, mit denen der Empfänger Prospekte, Proben oder Rabatte einlöst.

Quick Response Code (QRC): Der Quick Response Code ist ein zweidimensionaler Strichcode, der auf Plakate oder in Printmedien gedruckt wird. Mithilfe von Zusatzprogrammen kann dieser von der Kamera eines Smartphones gescannt werden und blendet dann weiterführende Informationen, Gutscheine oder auch Spielmöglichkeiten auf dem Display ein.

SMS-Shortcode: Eine Zahlen- oder Buchstabenkombination, die per SMS an eine Nummer gesendet wird und dort eine Aktion auslöst. So können Prospekte, Probepackungen sowie mobile Web-Links angefordert oder aber Spenden abgegeben werden.


Achim Himmelreich  ist Partner von Mücke, Sturm & Company in München

www.mueckesturm.de

„Zusätzliche Umsätze erzielen und neue Kunden erreichen“

Interview

Kann der stationäre Handel mithilfe von Location Based Services die Verluste kompensieren, die ihm durch den Online-Handel entstehen?

Achim Himmelreich: Der stationäre Einzelhandel war das digitale Stiefkind. Mit den Smartphones wird er jetzt in die digitale Ökonomie integriert. Händler, die Mobile Marketing sporadisch oder schlecht nutzen, werden die Kannibalisierungseffekte nicht oder nur zu einem kleinen Teil kompensieren können. Aber wer Location Based Services intelligent umsetzt, kann sogar zusätzlich Umsätze erzielen und neue Käufergruppen erschließen.

Worauf sollten Händler achten, die LBS einsetzen möchten?

Himmelreich: Das größte Problem beim Mobile Marketing und bei den LBS ist ein ganz banales – der Warenvorrat. Händler schalten mobile Kampagnen, erkennen den Standort der potenziellen Kundschaft und lotsen sie über mobile Gutscheine ins Geschäft – und dann ist die Ware nicht auf Lager. In der Regel verfügen stationäre Anbieter über ein gewachsenes Warenwirtschaftssystem und dieses korrespondiert meist noch nicht mit den mobilen Systemen. Für erfolgreiche LBS und Couponing müssen beide miteinander gekoppelt werden, das ist aber bisher selten gut gelöst.

Welche Rolle spielt der Ortsbezug künftig im Mobile Marketing?

Himmelreich: Eine sehr große. Die mobilen Geräte schließen jetzt die Lücke zwischen stationärem Handel und Internet. Dies sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Entwicklung, die es im stationären Handel seit Jahrzehnten gibt, weiter und schneller fortschreitet. Am unteren Ende der Preisspanne profitieren Discounter wie Aldi oder Lidl, im oberen Segment die Delikatess- und Feinkostläden. Der Verlierer ist wieder die Mitte, also der klassische Supermarkt.

Warum?

Himmelreich: Im unteren Preissegment entsteht durch mobile Barcodescanner und Preisvergleichsdienste eine hohe Transparenz für homogene Güter. Das verschärft die Preiskonkurrenz in diesem Segment zusätzlich. Das obere Preissegment profitiert, weil Anbieter potenzielle Kunden gezielter ansprechen können. Wer als Händler bestehen möchte, muss mehr machen als bisher, beispielsweise für komplexe Produkte mobile Zusatzinformationen bereithalten oder Entertainment anbieten.


Mobile Marketing – was Sie erwartet

Im mobilen Internet für Angebote werben oder Produkte sogar direkt vermarkten: In dieser dreiteiligen Serie erfahren Sie, wie Sie mobile Surfer erreichen und auf Angebote aufmerksam machen.

Der neue Markt, seine Systeme und Erfolg versprechende Technologien

Ausgabe 15/2011

Mobile Marketing – die Brücke zwischen stationärem Handel und Internet

Ausgabe 16/2011

Mobile Advertising – mehr als nur Banner und Anzeigen

Ausgabe 17/2011

Alle Teile der Serie und Quellenangaben zu weiterführenden Studien finden Sie unter dem Webcode 1115016.


Location Based Services: Einfach mal ausprobieren

❚ Wählen Sie eine Plattform wie Friendticker.de, Kaufda.de, Meinestadt.de oder Gelbeseiten.de, um regionale Angebote zu verbreiten.

❚ Experimentieren Sie mit Coupon-Varianten, die Dienstleister wie Coupies, Gutscheinvermittler wie Groupon.de oder Dailydeal.de und andere mobil anbieten. So können Sie spezielle Angebote unterbreiten, aber auch verschiedene Techniken für Ihren Einsatz testen.

❚ Greifen viele Verbraucher auf Ihren Web-Auftritt mobil zu, dann ergänzen Sie ihn mit einer mobilen Website oder einer einfachen App.

❚ Reichern Sie die App schrittweise mit Funktionen an (Info, Community, Entertainment).

❚ Passen Sie vorhandene Systeme mittelfristig an mobile Angebote an; sorgen Sie für die reibungslose IT-Kommunikation zwischen Zentrale und Filialen und Smartphones.

Quelle: Mücke, Sturm & Company, INTERNET WORLD Business



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