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Zalando: Markt- oder Marketing-Erfolg?

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22.11.2010

Zalando: Markt- oder Marketing-Erfolg?

 

Jochen Krisch ist Inhaber von Exciting Future für E-Commerce. Er bloggt unter * excitingcommerce.de

Alle Welt spricht über Zalando, neben Groupon das E-Commerce-Phänomen 2010, und fragt sich halb bewundernd, halb skeptisch: Ist Zalando mehr ein Markt- oder mehr ein Marketing-Erfolg? Die Investoren haben Zalando zuletzt mit 370 Millionen Euro bewertet. Die Traffic-Kurve hat die Marke von 300.000 Nutzern täglich übersprungen und zeigt weiter steil nach oben. Und auch wenn über den Umsatz nichts bekannt ist, reichen die Spekulationen von 100 bis zu mehreren 100 Millionen Euro – vor Retouren, versteht sich.

Obwohl erst seit Oktober 2008 online hat sich Zalando binnen kürzester Zeit zu einem relevanten Player im deutschen E-Commerce-Markt aufgeschwungen. Ähnlich wie Diapers (siehe die Kolumne in Ausgabe 08/2010), das kürzlich von Amazon übernommen wurde, zeigt Zalando, was möglich ist, wenn ein Markt ernsthaft erobert werden soll und jemand genügend Geld in die Hand nehmen kann, um bezüglich Vermarktung und Abwicklung sämtliche Register zu ziehen.

Ursprünglich war Zalando als Zappos-Klon gestartet, musste dann allerdings seine Träume vom schnellen Exit zügig begraben, als Zappos im Sommer 2009 selbst von Amazon übernommen wurde. Danach begann aber erst das eigentlich Bemerkenswerte an der Zalando-Geschichte – der strategische Umschwung und der schnelle Wandel vom „riesigen Online-Schuh-Shop“, wie er aus der Werbung bekannt ist, hin zu einem breit aufgestellten Online-Versender, der inzwischen von Schuhen über Mode und Accessoires bis hin zu Beauty und Sport so ziemlich alles im Sortiment hat.

Shoppingclub auf der Überholspur

Geschickt war auch der Start der Zalando Lounge im Frühjahr 2010. Die Lounge hat Vente-Privée, Buy Vip und andere Shoppingclubs hinter sich gelassen und liefert sich inzwischen einen Wettstreit mit Limango um Platz zwei der führenden Shoppingclubs hierzulande. Nicht zuletzt hat sich Zalando mit der Lounge auch einen weiteren Zugang zu den Marken verschafft. Denn auch wenn Zalando bei vielen immer noch als Schuhversender im Kopf ist, sehen die Investoren Zalando Zalando: Markt- oder Marketing-Erfolg? längst als „E-Marketplace“, der nun sehr schnell auch international ausgerollt werden soll. Die Vorbereitungen für den Frankreich-Start laufen auf vollen Touren. Andere Länder sollen folgen.

Um da hinzukommen, wo das Start-up Zalando heute schon steht, bräuchte ein konventionell denkender Händler im Schnitt fünf bis zehn Jahre, da er es gewohnt ist, von Saison zu Saison zu testen und zu optimieren. Zalando hingegen operiert im Web-Takt und meistert sein extremes Wachstum dabei erstaunlich gut. Noch geht bei Zalando Wachstum vor Profitabilität, aber selbst Skeptiker können sich inzwischen vorstellen, dass sich Zalando bereits profitabel betreiben ließe. *


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